Wallet auf dem Smartphone

Jede Transaktion
hinterlässt eine Adresse.

Kryptobetrug: Maschen, Spuren und Möglichkeiten

Warum die Blockchain für Sie arbeiten kann — und an welcher Stelle die Spur trotzdem endet.

Von Philip Kohlmann, Rechtsanwalt, Frankfurt am Main · Veröffentlicht am 2026-10-01 · Zuletzt geprüft am 2026-10-01 · Lesezeit 9 Minuten

Kurz und Knapp

Auf öffentlichen Blockchains ist jede Transaktion dauerhaft einsehbar, der Weg des Geldes also üblicherweise nachvollziehbar. Entscheidend ist erfahrungsgemäß, ob die Spur bei einer regulierten Kryptobörse endet: Dort gibt es normalerweise einen identifizierbaren Empfänger und einen Adressaten für Auskunft und Sicherung. Endet sie in einem Mixer oder bei einer Börse ohne Aufsicht, sinken die Aussichten erheblich. Wichtigste Daten: Transaktions-ID, Wallet-Adressen, Chatverläufe.

Was ist Kryptobetrug?

Der Oberbegriff für Betrugsformen, bei denen Kryptowährungen das Zahlungsmittel sind: gefälschte Handelsplattformen, angebliche Miningfonds, Anlageversprechen im Rahmen von Liebesbetrug und manipulierte Wallet-Anwendungen.

Strafrechtlich greift üblicherweise ebenfalls § 263 Strafgesetzbuch, je nach Ausgestaltung in Verbindung mit Computerbetrug nach § 263a und Geldwäsche nach § 261. Die Besonderheit liegt weniger im Tatbestand als im Zahlungsweg: Eine Kryptoüberweisung ist in der Regel final, es gibt keine Bank, die sie zurückholt, und normalerweise keine Widerrufsmöglichkeit. Genau deshalb steuern Täter ihre Opfer erfahrungsgemäß gezielt in diese Zahlungsform, häufig erst nachdem die ersten Beträge klassisch überwiesen wurden. Die Kehrseite ist für Geschädigte günstig: Während eine Barzahlung praktisch spurlos bleibt, ist jede Kryptotransaktion öffentlich dokumentiert. Der rechtliche Hebel liegt damit üblicherweise nicht in der Blockchain selbst, sondern an den Übergangsstellen zwischen Kryptowerten und regulärem Geld.

Welche Maschen gibt es?

Verbreitet ist derzeit vor allem die Anlagemasche über Messengerdienste, bei der über Wochen Vertrauen aufgebaut wird. Daneben stehen gefälschte Börsen, die Auszahlungen an immer neue Gebühren knüpfen, sowie manipulierte Wallet-Anwendungen.

Bei der Messenger-Masche, international häufig als Pig Butchering bezeichnet, beginnt der Kontakt typischerweise als vermeintlicher Zufall: eine falsch adressierte Nachricht, ein Profil aus einer Dating-App, ein Kontakt aus einer Investmentgruppe. Über Wochen entsteht eine persönliche Beziehung, erst danach kommt der Anlagevorschlag. Eine zweite große Gruppe bilden Klone bekannter Börsen mit nahezu identischer Oberfläche und abweichender Domain. Eine dritte arbeitet über manipulierte Wallet-Anwendungen oder gefälschte Browser-Erweiterungen, die den Seed abgreifen. Hinzu kommen angebliche Support-Hotlines, die bei Problemen mit der echten Wallet helfen wollen. Gemeinsam ist diesen Varianten erfahrungsgemäß, dass die Übergabe der Kontrolle als Hilfestellung getarnt wird.

Lassen sich Kryptowährungen zurückverfolgen?

Auf öffentlichen Blockchains ist jede Transaktion sichtbar und dauerhaft gespeichert. Der Weg des Geldes ist damit üblicherweise nachvollziehbar. Die eigentliche Frage ist, wer am Ende dahintersteht.

Bitcoin- und Ethereum-Transaktionen sind pseudonym, nicht anonym: Sichtbar sind Adressen, Beträge und Zeitpunkte, nicht aber Namen. Spezialisierte Analysedienste und die Ermittlungsbehörden gruppieren Adressen zu Clustern und ordnen bekannte Cluster Börsen, Dienstleistern oder Tätergruppen zu. Dadurch lässt sich häufig feststellen, über welche Stationen ein Betrag geflossen ist und wo er in reguläres Geld umgewandelt wurde. Erschwert wird das erfahrungsgemäß durch Mixer, die Beträge vieler Nutzer vermengen, durch Wechsel zwischen mehreren Netzwerken und durch Privacy Coins, die den Verlauf technisch verschleiern. Für Ihre Sache heißt das: Entscheidend ist normalerweise nicht, ob die Spur existiert, sondern ob sie an einem greifbaren Punkt endet.

Warum ist die Kryptobörse der entscheidende Punkt?

Sobald Coins auf eine regulierte Börse fließen, gibt es üblicherweise einen identifizierbaren Empfänger und einen Adressaten für Auskunft und Sicherung. Endet die Spur in einem Mixer oder bei einer Börse ohne Aufsicht, wird es erfahrungsgemäß deutlich schwieriger.

Regulierte Börsen unterliegen dem Geldwäscherecht und müssen ihre Kundinnen und Kunden identifizieren. Sie führen also in der Regel Namen, Ausweisdaten und Kontoverbindungen zu einer Wallet-Adresse. Damit kann aus einer anonymen Zeichenkette eine Person werden, gegen die sich Auskunfts-, Herausgabe- und Schadensersatzansprüche richten lassen. In dringenden Fällen kommt ein Arrest nach §§ 916 ff. Zivilprozessordnung in Betracht, um Guthaben zu sichern, bevor es abgezogen wird. Mit der europäischen MiCA-Verordnung gelten für Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen in der EU einheitliche Zulassungs- und Sorgfaltspflichten, was Auskunftsverlangen erfahrungsgemäß erleichtert. Außerhalb dieses Rahmens bleibt meist nur der Weg über die Staatsanwaltschaft und internationale Rechtshilfe, mit dem deutlich längere Laufzeiten zu erwarten sind.

Welche Daten sollte ich sichern?

Transaktions-IDs, alle Wallet-Adressen, Screenshots des Plattformkontos, sämtliche Chatverläufe und die Zugangsdaten zu Ihrer eigenen Wallet. Sichern Sie das möglichst heute — Plattformen verschwinden erfahrungsgemäß schnell.

Die Transaktions-ID, auch Hash genannt, ist üblicherweise der Schlüssel zu jedem einzelnen Vorgang: Mit ihr lässt sich die Transaktion in einem öffentlichen Block-Explorer jederzeit aufrufen und belegen. Notieren Sie zusätzlich Ihre eigene Absenderadresse, die Empfängeradresse, Datum, Uhrzeit, Betrag in Kryptowährung und den Gegenwert in Euro zum Zeitpunkt der Zahlung — letzteres wird für die Schadensberechnung benötigt. Exportieren Sie Chatverläufe möglichst vollständig, statt nur einzelne Screenshots zu erstellen, weil der Export Zeitstempel und Reihenfolge belastbarer wiedergibt. Sichern Sie die Plattform-Oberfläche als PDF-Ausdruck mit sichtbarer Adresszeile. Und geben Sie Ihren Seed oder privaten Schlüssel an niemanden weiter, auch nicht an uns: Für die rechtliche Verfolgung wird er nicht benötigt.

Wie erkenne ich unseriöse Rückholversprechen?

Nach dem Betrug melden sich erfahrungsgemäß Anbieter, die gegen Vorkasse die Rückholung zusagen, teils unter falschem Anwaltsnamen. Das ist typischerweise die zweite Stufe desselben Betrugs. Prüfen Sie jede Zulassung im amtlichen Anwaltsverzeichnis.

Die Zweitansprache funktioniert, weil die Täter über Ihre Daten verfügen: Sie kennen Betrag, Plattform und Zeitpunkt, was jedes Gespräch glaubwürdig wirken lässt. Typische Varianten sind angebliche Fondsverwaltungen, die Ihre Coins zurückgekauft hätten, vermeintliche Behörden, die eine Sicherheitsleistung für die Freigabe verlangen, und Kanzleien mit gestohlenem Briefkopf. Drei Prüfungen genügen erfahrungsgemäß meist: Steht die Person im bundesweiten amtlichen Anwaltsverzeichnis der Rechtsanwaltskammern? Wird Geld verlangt, bevor eine Leistung erbracht wurde? Wurde der Kontakt von Ihnen ausgelöst oder von außen? Werden zwei dieser drei Fragen ungünstig beantwortet, sollten Sie abbrechen. Melden Sie solche Kontakte außerdem der Polizei — sie gehören in der Regel zur selben Ermittlung.

Welche Ansprüche kommen in Betracht?

In Betracht kommen üblicherweise Auskunfts- und Herausgabeansprüche gegen Börsen, Schadensersatz gegen identifizierte Empfänger und in Einzelfällen Ansprüche gegen Zahlungsdienstleister. Voraussetzung ist normalerweise eine Spur, die bei einer greifbaren Stelle endet.

Gegen die Täter kommen Ansprüche aus § 823 Absatz 2 BGB in Verbindung mit § 263 Strafgesetzbuch und aus § 826 BGB in Betracht, daneben bereicherungsrechtliche Ansprüche nach §§ 812 ff. BGB. Der praktische Wert hängt erfahrungsgemäß davon ab, ob eine Person und ein Vermögen greifbar sind. Gegen Börsen richten sich zunächst Auskunftsansprüche, die je nach Konstellation auf § 242 BGB oder datenschutzrechtliche Grundlagen gestützt werden; sie sind üblicherweise die Brücke zur Identifizierung. Wurde ein Teil des Geldes klassisch überwiesen, treten Ansprüche gegen Banken und Zahlungsdienstleister hinzu. Weil diese Wege unterschiedliche Fristen haben, verfolgen wir sie in der Regel parallel statt nacheinander — und sagen Ihnen vorher, welcher davon in Ihrem Fall überhaupt tragfähig erscheint.

Diese Unterlagen brauchen wir

Sichern Sie diese Punkte, bevor Plattform oder Chatverlauf verschwinden.

Alle Überweisungsbelege und Kartenabrechnungen
Transaktions-IDs und Wallet-Adressen
Chat- und E-Mail-Verläufe mit dem Anbieter
Screenshots des Kontos auf der Plattform
Name, Website und Sitz des Anbieters
Vorsicht vor Rückholanbietern

Wer Sie nach dem Betrug proaktiv anruft und gegen Vorkasse die Rückholung verspricht, ist fast immer der zweite Betrüger. Seriöse Anbieter können Ihnen keine Erfolgsquoten garantieren. Jede Anwaltszulassung lässt sich im bundesweiten amtlichen Anwaltsverzeichnis kostenlos prüfen.

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Kontaktdaten

Kostenfreie Ersteinschätzung · Rückruf innerhalb von 48 Stunden

Die Ersteinschätzung ist kostenfrei und dauert üblicherweise maximal 30 Minuten (§ 34 RVG). Eine Beauftragung entsteht daraus nicht automatisch.

Häufige Fragen zum Kryptobetrug

Ist mein Geld nach einem Kryptobetrug endgültig verloren?

Nicht zwangsläufig. Entscheidend ist erfahrungsgemäß, ob die Spur bei einer regulierten Börse endet und wie viel Zeit seit der Transaktion vergangen ist.

Können Ermittlungsbehörden Coins sicherstellen?

Das kommt in Betracht, wenn die Coins bei einer kooperierenden Stelle liegen. Deshalb ist die Strafanzeige üblicherweise kein Selbstzweck, sondern oft der einzige Zugang zu den Empfängerdaten.

Was ist ein Mixer und warum erschwert er die Verfolgung?

Ein Dienst, der Transaktionen vieler Nutzer vermengt, um die Herkunft zu verschleiern. Endet die Spur dort, sinken die Aussichten erfahrungsgemäß deutlich.

Wie schnell muss ich nach einem Kryptobetrug handeln?

So schnell wie möglich. Guthaben auf Börsenkonten wird erfahrungsgemäß häufig binnen weniger Tage weitergeleitet, danach ist eine Sicherung kaum noch durchsetzbar.

Was kostet die anwaltliche Vertretung?

Pauschale, vor der Beauftragung genannt. Kein Erfolgshonorar.

Übernehmen Sie auch Fälle mit kleineren Schäden?

Wir sagen Ihnen in der kostenfreien Ersteinschätzung offen, ab wann der Aufwand aus unserer Sicht in keinem Verhältnis zum möglichen Ergebnis steht.